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Theorie Führerprüfung Schweiz · VKU

Kurven & Fahrdynamik

In Kurven entscheidet Physik, nicht Können: Fliehkraft und Reifenhaftung setzen harte Grenzen. Das Modell der Kurvenphasen macht daraus eine einfache, sichere Fahrmethode.

Die Kräfte in der Kurve

  • Fliehkraft drückt dich nach aussen. Sie wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit: doppeltes Tempo bedeutet vierfache Fliehkraft. Enger Radius verstärkt sie zusätzlich.
  • Seitenführungskraft der Reifen hält dagegen – sie entsteht nur, solange die Reifen Haftung haben.
  • Kraftschluss ist das verfügbare «Haftungsbudget» zwischen Reifen und Fahrbahn. Bremsen, Lenken und Beschleunigen zehren alle vom selben Budget. Auf nasser oder vereister Fahrbahn schrumpft es drastisch.

Merke: Wer in der Kurve stark bremst, verlangt vom Reifen zwei Dinge gleichzeitig – oft ist das eines zu viel.

Das Modell der Kurvenphasen

Eine Kurve, vier Phasen – jede hat genau eine Aufgabe.
  1. Orientieren: Blick weit in die Kurve, Verlauf und Fahrbahn einschätzen, wenn nötig Manöver ankündigen.
  2. Bremsen – vor der Kurve: Das gesamte Verzögern passiert auf gerader Strecke, solange die Reifen nur bremsen müssen.
  3. Einlenken mit konstantem Tempo: In der Kurve weder bremsen noch stark beschleunigen – die Haftung gehört jetzt dem Lenken.
  4. Beschleunigen am Ausgang: Erst wenn du den Kurvenausgang siehst und das Lenkrad sich öffnet, gibst du wieder Gas.

Tempo, Radius und Anhalteweg

  • Die sichere Kurvengeschwindigkeit hängt vom Radius ab: je enger, desto langsamer.
  • In unübersichtlichen Kurven gilt das Sichtfahrgebot: Du musst innerhalb der überblickbaren Strecke anhalten können – bei Gegenverkehr auf schmalen Strassen sogar auf der halben.
  • Die Wahl der Fahrlinie gehört zur Phase 1: aussen ansetzen bringt Sicht – aber nie auf Kosten der Gegenfahrbahn.

Sicherheitsreserven statt Grenzbereich

Die physikalische Grenze siehst du einer Kurve nicht an – Nässe, Laub oder Rollsplitt verschieben sie ohne Vorwarnung. Deshalb gilt:

  • Bewusst unter dem fahrbaren Limit bleiben – die Reserve ist dein Sicherheitspolster für Überraschungen.
  • Lieber zu langsam in die Kurve als zu schnell: Zu viel Tempo lässt sich in der Kurve kaum noch korrigieren.

Besonderheiten für Motorradfahrende

Die Basistheorie gilt auch für die Kategorien A und A1 – und auf zwei Rädern zählt Kurventechnik doppelt:

  • Das Motorrad fährt die Kurve in Schräglage – Bremsen in Schräglage reduziert die Haftungsreserve sofort.
  • Blicktechnik: Der Blick geht durch die Kurve zum Ausgang – das Motorrad folgt dem Blick.
  • Schutzausrüstung (Helm, Bekleidung) ist Pflicht bzw. dringend empfohlen – mehr dazu unter Ausrüstung.

Vertiefung im Kursteil: VKU-Modul Verkehrsdynamik.

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