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Nothelferkurs · Lektion 4

Wunden, Schock & weitere Notfälle

Starke Blutungen stillen, einen Schock erkennen, dich selbst schützen – und die wichtigsten Handgriffe bei den häufigsten Notfällen.

Starke Blutungen

Bei einer starken, spritzenden oder stark fliessenden Blutung zählt jede Sekunde. Drücke sofort mit einem sauberen Tuch oder Verbandsmaterial direkt auf die Wunde und lege einen Druckverband an. Die betroffene Gliedmasse hochhalten. Trage – wenn vorhanden – Einmalhandschuhe. Lässt sich die Blutung nicht stillen, hältst du den Druck konsequent aufrecht, bis die Sanität übernimmt.

Schock

Bei grossem Blutverlust oder schweren Verletzungen droht ein Schock. Anzeichen sind blasse, kühle Haut, Frieren, Unruhe und ein schneller Puls.

Die klassische Schocklage: die Person flach auf den Rücken legen und die Beine etwa 20–30 cm höher lagern als den Oberkörper (z. B. auf einem Rucksack oder von einer Hilfsperson gehalten). So gelangt durch die Schwerkraft mehr Blut zurück zu Herz und Gehirn und stabilisiert den Kreislauf. Halte die Person warm, beruhige sie und kontrolliere laufend Bewusstsein und Atmung. Nichts zu trinken geben.

Beine nicht immer hochDie Schocklage kann auch schaden – lagere die Beine nicht hoch bei Verdacht auf Herzinfarkt (dann Oberkörper erhöht), bei Atemnot, bei Kopf-, Wirbelsäulen-, Brust- oder Bauchverletzungen sowie bei Becken-/Beinbrüchen. Ist die Person bewusstlos, gilt die stabile Seitenlage. Im Zweifel flach lagern und den Rettungsdienst entscheiden lassen.

Infektionsschutz

Beim Eigenschutz geht es nicht nur um Verkehr und Feuer, sondern auch um Infektionen. Über Blut können Krankheiten wie HIV oder Hepatitis B und C übertragen werden. Deshalb gehören Einmalhandschuhe in jede Verbandstasche, und für die Beatmung gibt es Beatmungstücher oder -masken als Barriere. Faustregel: kein direkter Kontakt mit fremdem Blut. Das Risiko ist gering, aber leicht vermeidbar.

Weitere häufige Notfälle

  • Verbrennungen: einige Minuten mit lauwarmem Wasser kühlen (nicht eiskalt), dann locker keimarm abdecken.
  • Knochenbrüche: ruhigstellen, nicht einrenken, nichts gewaltsam bewegen.
  • Herzinfarkt (Druck in der Brust, Ausstrahlung in Arm/Kiefer, Atemnot, Schweiss): sofort 144, Person beruhigt mit erhöhtem Oberkörper lagern.
  • Schlaganfall (plötzliche Lähmung, hängender Mundwinkel, Sprachstörung): sofort 144, ruhig lagern.
  • Vergiftung: Tox Info Schweiz unter 145 anrufen, nichts eigenmächtig verabreichen.
  • Allergische Reaktion (Anaphylaxie): 144 anrufen; bei vorhandenem Notfall-Adrenalin-Pen bei der Anwendung helfen, bei Atemnot Oberkörper erhöht lagern.
  • Krampfanfall: Gefahren entfernen, Kopf polstern, nicht festhalten, nichts in den Mund stecken; danach Seitenlage. Bei Anfall über ca. 5 Minuten: 144.
  • Unterzucker: bei wachem Zustand rasch Zucker geben (Traubenzucker, Saft); bei Bewusstlosigkeit nichts einflössen, Seitenlage und 144.
  • Hitze und Kälte: bei Hitzschlag in den Schatten, kühlen, Flüssigkeit geben; bei Unterkühlung langsam erwärmen, nasse Kleidung entfernen, ruhig lagern.
Eselsbrücke FASTSchlaganfall in Sekunden erkennen: Face (hängt ein Mundwinkel?), Arms (sinkt ein Arm ab?), Speech (ist die Sprache verwaschen?), Time (keine Zeit verlieren – sofort 144).
Zum SchlussDieser Lernteil bereitet dich auf den Kurs vor – die lebensrettenden Handgriffe übst und festigst du im Präsenzteil an der Puppe. Im Notfall gilt immer: lieber unvollkommen handeln als gar nicht.

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